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Tag 21: Zuhören und Lesen

Nein – noch immer keine Rechtschreibregeln. Die kommen noch. Haben Sie Geduld. Wir müssen vorher noch einige andere Dinge klären.

 

Erinnern Sie sich? Die Reihenfolge lautet:

Zuhören – Denken – Sprechen – Schreiben. Also kommen auch die Rechtsschreibregeln zuletzt. Schließlich heißen sie nicht "Rechtsprechregeln".
 

Zum Zuhören im weitesten Sinne gehört selbstverständlich auch das Lesen, gewissermaßen "schriftliches Zuhören".

Mit den ersten beiden Aufgaben, die Sie hoffentlich permanent erledigen, üben Sie das Zuhören und das Lesen auf vollkommene Art und Weise.
 

Das Denken erledigen Sie automatisch. Beweis: Versuchen Sie mal, eine Zeitlang nicht zu denken! Irgendetwas denken Sie immer. Sie können gar nicht anders. Wenn Sie zuhören oder lesen, denken Sie sofort über das Gehörte oder Gelesene nach. Wenn nicht, dann nur deshalb, weil Sie in diesem Moment an etwas anderes denken (wie z.B. Ehemänner das oft tun, wie deren Frauen behaupten). Also denken Sie auch dann!
 

Sollten Sie mit Ihren Gedanken abschweifen, weil Sie etwas nicht verstehen, dann allerdings ist es höchste Zeit, nachzufragen! Unterbrechen Sie Ihren Gesprächspartner höflich und stellen Sie Ihre Fragen. Er wird, weil Sie besonderes Interesse signalisieren, sehr gerne Erläuterungen liefern. Einen besseren Gefallen können Sie Ihrem Gesprächspartner gar nicht tun.

Einzige Ausnahme: Als Ehemann, dem gerade die eigene Ehefrau etwas erzählt, sollten Sie Nachfragen unbedingt vermeiden und besser auf Umwegen im Gespräch herausfinden, was Ihnen an Information fehlt. Aber diese Situation ist eher ein Kapitel für das Thema Eheberatung.
 

Zurück zu unserem Thema:

Plötzlich auftretende Lücken im Verständnis haben im Wesentlichen drei Hauptursachen:

  1. Sie verstehen ein Wort nicht, weil Sie es nicht kennen. Das ist ein Wortschatzproblem und kann durch sofortige Nachfrage (beim Zuhören) oder Nachschlagen im Lexikon bzw. im Internet (beim Lesen) beseitigt werden.
     
  2. Sie verstehen eine Aussage nicht, weil hierfür die Kenntnis eines anderen Sachverhalts nötig ist. Dieses Problem ist deutlich schwieriger zu lösen. Im einfachsten Fall wissen Sie, dass Ihnen zum Verständnis lediglich eine bestimmte Information fehlt. Dann lassen Sie sich zwischendurch kurz informieren oder holen sich die Information aus Lexikon oder Internet.
     
  3. Sie verstehen eine Aussage nicht, weil Sie nicht über genug Wissen verfügen, um den Gedanken folgen zu können. Dieses Problem ist sofort nicht lösbar.

    Beispiel: Sie sind Ingenieur und hören einen medizinischen Fachvortrag über neue Erkenntnisse in der Immunologie bei speziellen Therapie-Ansätzen für Aids.

    Oder Sie sind Professor für Sinologie und hören im Rundfunk ein Feature über spezielle Taktiken zur Aufstellung einer Fußballmannschaft.

    Oder Sie sind Handwerker und werden bei einem Jubiläumsempfang von einem Kunsthändler über Besonderheiten der Werke des Impressionismus zugetextet. – Lächeln Sie, versuchen Sie, sich ein paar Wörter zu merken, die Ihnen gefallen und erfinden Sie eine Ausrede, warum Sie sich um einen anderen Gast kümmern müssen. Oder beim Lesen: Warum lesen Sie so etwas überhaupt? Nehmen Sie ein anderes Buch oder geben Sie sich weiter dem Vergnügen hin, Wörter zu lernen, ohne den Inhalt zu verstehen. Schaden kann es nicht.

 

Eine bissige Bemerkung zum ersten Punkt:

Wenn Sie ein so genanntes Fremdwort hören und nicht verstehen, fragen Sie unbedingt sofort nach! Sie werden nicht glauben, wie oft irgendwelche halbgebildeten Schwätzer solche Wörter benutzen, ohne selbst zu wissen, was sie bedeuten. Damit entlarven Sie solche Scharlatane und gewinnen sofort Oberhand im Gespräch.
 

Der Übergang vom zweiten zum dritten Punkt ist fließend. Je öfter der zweite anstelle des dritten Punktes zutrifft, umso weiter sind Sie in Ihrem Bildungsprozess vorangekommen. Das hört übrigens nie auf.

Wir lernen lebenslang. Das ist gut so - für uns als Person und für unsere Gesellschaft. Der englische Komponist Benjamin Britten hat gesagt:

"Lernen ist wie Rudern gegen den Strom.
Wer damit aufhört, treibt zurück."
 
 

Denken Sie (nach), lernen Sie und freuen Sie sich auf morgen, wenn wir über das Sprechen reden. Oder über das Reden sprechen – wie Sie wollen …

Herzlichst
Ihr Hans-Werner Leopold

 

 Aufgaben

1. Regelmäßig gesehene Fernsehsendung ab sofort nicht mehr ansehen und stattdessen ein Buch lesen.  
2. Gespräch(e) führen.
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Tag 22: Sprechen

Sehen Sie im Fernsehen eine Sportsendung an. Fußball, Tennis, EM, WM, Leichtathletik, egal – was Sie wollen.

 

Konzentrieren Sie sich auf die Interviews im Anschluss an die Wettkämpfe. Achten Sie darauf, was die Sportler sagen. Achten Sie nicht auf den Inhalt, der ist sowieso nicht wichtig. Aber achten Sie auf den Wortschatz. Das am meisten gebrauchte Wort lautet: "äh" – es kommt in jedem Satz mehrmals vor. Und daneben gibt es dann noch vielleicht zehn oder zwanzig weitere Wörter – und das war’s. Es sind ohnehin immer wieder dieselben Aussagen. Von Fußballspielern oder Fußball-Trainern hört man schon seit über 50 Jahren (seit der Zeit von Sepp Herberger) keine neuen Erkenntnisse mehr. Und auch der "Herbergersepp" hat so ungeheuer erhellende Sätze gesagt wie "Der Ball ist rund" und "Ein Spiel dauert 90 Minuten". Das muss einem erst einmal einfallen!
 

Noch eins obendrauf: Achten Sie auf die Tonlage bei den Sportlern. Wie ein sakraler Sprechgesang – immer dieselbe Tonhöhe – ohne Absenken beim Satzende, ohne Pause bei Satzzeichen.
 

Unsere ehemaligen Tennisprofis Boris Becker und Steffi Graf waren zu ihrer Zeit ganz typische Beispiele. Boris ist für mich der ungekrönte "äh"-König, und Steffi könnte mit ihrer Sicherheit, eine einmal eingestellte Tonhöhe zu halten, manchem Laienchor aus der Patsche helfen.
 

Beiden, die ich übrigens keineswegs für dumm halte, gönne ich ihren Erfolg von Herzen.
 

Woher kommen die "äh"s, die "nicht wahr"s, die Redewendungen "ich sag mal", "ich würde sagen", "oder so ähnlich",  "im Grunde genommen", "an dieser Stelle" und all die anderen Redewendungen, die nichts ausdrücken außer dem Umstand, wie inhaltsleer die Gedanken des Sprechers sind?
 

Sie kennen sicher das Sprichwort:

"Reden ist Silber, Schweigen ist Gold."

Wenn Sie nichts zu sagen haben, schweigen Sie. Reden Sie nur dann, wenn Sie genau wissen, was Sie sagen wollen. Reden Sie, wenn Sie mit Sicherheit davon ausgehen können, dass Andere sich für das, was Sie sagen wollen, wirklich interessieren.
 

Auch wenn Sie viel wissen, heißt das nicht, dass Ihre Mitmenschen an Ihrem Wissen teilhaben wollen.

Wenn Sie etwas mitzuteilen haben, werben Sie für Ihr Wissen. Wecken Sie das Interesse Anderer an Ihrem Wissen. Provozieren Sie mit einer kurzen Bemerkung die Nachfrage Ihrer Zuhörer. Aber bereiten Sie sich auf Ihre Antworten gut vor. Das heißt: Ordnen Sie Ihre Gedanken. Prüfen Sie Ihre Aussagen auf Wahrheitsgehalt, auf Logik und vor allem darauf, wie Ihre Zuhörer die Aussagen verstehen können. Wählen Sie Ihre Worte mit Bedacht.

Behalten Sie den Überblick über das, was Sie sagen.
 

Das klingt banal, aber es gibt ein paar Gründe, warum das so wichtig ist:

Sprechen Sie in kurzen ganzen Sätzen. Denken Sie einen Satz vollständig zu Ende, bevor Sie ihn sprechen! Unvollständige oder zu lange Sätze vermitteln Ihren Zuhörern einen Eindruck von Chaos, Sie werden nicht ernst genommen, niemand kann Ihnen folgen, und Sie wirken wie ein Dilettant, der nur redet, ohne etwas zu sagen. Sie selbst verlieren umso leichter den Überblick über Ihre Gedanken, je länger Ihre Sätze sind. Wie können Sie dann erwarten, dass Ihre Zuhörer Ihr Anliegen verstehen?

 

Es gibt zwei deutsche Politiker, die gleichermaßen anerkannt sind und in ihren Positionen jeweils Hervorragendes geleistet haben, die sich aber total voneinander unterscheiden im Hinblick auf die Länge ihrer gesprochenen Sätze.
 

Alt-Bundeskanzler Helmut Schmidt ("Schmidt Schnauze") ist berühmt für seine im Deutschen Bundestag gesprochenen Bandwurmsätze (teilweise in freier Rede, also ohne Manuskript, wohlgemerkt).

Alt-Bundespräsident Richard von Weizsäcker hingegen ist für seine extrem kurzen Sätze bekannt. Auch die Manuskripte waren in kurzen Sätzen verfasst.

 

Morgen werde ich auf das Thema Satzlänge noch genauer eingehen.

Herzlichst
Ihr Hans-Werner Leopold

 

 Aufgaben

1. Regelmäßig gesehene Fernsehsendung ab sofort nicht mehr ansehen und stattdessen ein Buch lesen.  
2. Gespräch(e) führen.
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Tag 23: Bandwürmer in Schachteln

Bekanntmachung:

"Der, der den, der den Pfahl, der an der Brücke, die auf dem Weg, der nach Worms führt, liegt, steht, umgeworfen hat, anzeigt, bekommt eine Belohnung!" 

 

Verstanden?

Nein?

Ok, dann noch einmal, aber etwas anders angeordnet:

Der
      der den 
            der den Pfahl 
                  der an der Brücke
                        die auf dem Weg
                              der nach Worms 
                              führt 
                        liegt 
                  steht 
            umgeworfen hat
      anzeigt
bekommt eine Belohnung

(und alle Satzzeichen weggelassen)
 

Jetzt verstanden? – Gut!
 

Nun stellen Sie sich vor, dass diese vergleichsweise einfache Aussage durch eine umfangreiche Erläuterung des NATO-Doppelbeschlusses durch den damaligen Bundeskanzler Helmut Schmidt vor dem Deutschen Bundestag ersetzt wird, allerdings in einer vergleichbaren Satzstruktur. Ein solcher einzelner Satz dauerte zuweilen mehrere Minuten, bevor der Kanzler ihn vollständig und "unfallfrei" zu Ende gesprochen hatte. Eine rhetorische Meisterleistung, die kaum zu übertreffen ist.

 

Unsere deutsche Sprache ermöglicht das Bilden solcher Sätze.

Genau dies führte im Europäischen Parlament in Straßburg zuweilen zu nervösen Nachfragen einiger Abgeordneter, weil sie glaubten, bei einer Rede eines deutschen Abgeordneten sei die Dolmetscher-Anlage ausgefallen. Die lapidare Antwort der Dolmetscher lautete sinngemäß: "Wir können noch nicht übersetzen – der Redner hat das Prädikat noch nicht gesagt."
 

Sie erinnern sich?

Das Prädikat (die Satzaussage) steht in unserer Sprache meistens am Ende. Wenn also das Subjekt (der Satzgegenstand) durch mehrere ineinander verschachtelte Nebensätze umständlich beschrieben wird, wird der Abstand zwischen diesen beiden Satzteilen (Satzgegenstand und Satzaussage) beliebig groß.

Im anfänglichen Beispiel lautet das Subjekt: "Der" und das Prädikat: "bekommt eine Belohnung".

Ein Dolmetscher müsste sich also alles dazwischen Stehende merken, bevor er am Ende erfährt, dass es heißt: "bekommt eine Belohnung" und nicht etwa "wird als Denunziant bestraft".
 

Was lernen wir daraus?

Kurze Sätze erhöhen die Verständlichkeit. Außerdem prägen sich kurze Sätze bei den Zuhörern besser ein. Je kürzer die Sätze sind, die wir sprechen, umso besser behalten wir den Überblick über unsere Gedanken.

 

Morgen betrachten wir das Behördendeutsch.

 

Eine neue Aufgabe: Bemühen Sie sich bei Ihren Gesprächen um kurze Sätze. Formulieren Sie diese Sätze vollständig zu Ende, bevor Sie dieselben aussprechen. Wenn es nicht klappt, entschuldigen Sie sich bei Ihrem Zuhörer und beginnen den Satz von vorn.

Herzlichst
Ihr Hans-Werner Leopold

 

 Aufgaben

1. Regelmäßig gesehene Fernsehsendung ab sofort nicht mehr ansehen und stattdessen ein Buch lesen.  
2. Gespräch(e) führen.  
3. Kurze und vor allem vollständige Sätze sprechen.
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Tag 24: Behördendeutsch

Hatten Sie schon einmal mit einem Rechtsanwalt zu tun? Mit einem eigenen oder mit einem "gegnerischen" Rechtsanwalt?

 

Haben Sie dessen Schriftsätze immer auf Anhieb vollständig verstanden?

Wenn nicht, woran liegt das?

Wenn ein Anwalt schreibt, geht es immer um juristische Sachverhalte. Das hat etwas zu tun mit Recht und Gesetz. Gesetze und Verordnungen müssen alle möglichen Umstände berücksichtigen und erscheinen deshalb oft sehr umständlich und unverständlich formuliert. Wenn man jedoch die Sätze in den Gesetzestexten genau untersucht, stellt man fest, dass sie streng logisch und nahezu unangreifbar sind.
 

Die so genannten Gesetzeslücken bestehen aus denjenigen Sachverhalten, die in den Gesetzestexten nicht festgelegt oder erfasst sind und die auch in den vielen Durchführungsbestimmungen und Kommentaren nicht beschrieben sind. Solche Lücken zu finden bedarf es einer umfangreichen juristischen Ausbildung.
 

Die Rechtswissenschaft ist eine höchst lebendige Wissenschaft, weil sich die Lebensumstände der menschlichen Gesellschaft ständig weiter entwickeln. Die Rechtsprechung muss darauf reagieren, um das Zusammenleben der Menschen und der Gesellschaften vor dem Chaos zu bewahren, das in Gesetzlosigkeit entsteht, wenn Menschen zusammen sind.

Es ist nicht einfach, dies alles zu verstehen und zu überblicken. Deshalb bietet gerade die Rechtswissenschaft ständig neue Themen für wissenschaftliche Texte wie Doktorarbeiten, Habilitationen, Rechtsgutachten, Fachbücher usw. - Abschreiben ist da überhaupt nicht nötig.

 

Zurück zur Sprache: Alle rechtsverbindlichen Dokumente (z.B. Verträge) müssen "wasserdicht" formuliert sein. Dies funktioniert in unserer deutschen Sprache aber nur um den Preis des Verlustes einer unmittelbaren Verständlichkeit.

Selbst einfachste Vertragstexte enthalten deshalb immer eine Klausel am Schluss, die den Fall regelt, dass in irgendeinem Abschnitt des Vertrages eine Formulierung eben nicht "wasserdicht" bzw. juristisch einwandfrei formuliert wurde.

Diese Klausel sagt dann, salopp ausgedrückt:

"Liebe Vertragspartner, Ihr wisst beide, was gemeint ist, also versteht den Text gefälligst in diesem Sinne und versucht nicht, durch Wortklauberei den Anderen über den Tisch zu ziehen!"

Wörtlich heißt es in der Regel:

"Sollte eine der genannten Bestimmungen unwirksam sein, so ist sie durch eine neue zu ersetzen, die dem Sinn der ursprünglichen Bestimmung am nächsten kommt."

Diese Klausel wird "Salvatorische Klausel" genannt. Mit dieser Klausel wird verhindert, dass ein Vertragspartner sich aus seiner Verpflichtung stiehlt, indem er den gesamten Vertrag wegen einer Formalie für ungültig erklärt.
 

Sicher lassen sich etliche juristische und verwaltungstechnische Sachverhalte stilistisch besser beschreiben, als es in den Gesetzen und Verordnungen der Fall ist. Aber fast immer bliebe dadurch irgendein möglicher Einzelfall auf der Strecke.
 

In Paragraph 1 der Straßenverkehrsordnung steht zum Beispiel der Satz:

"Jeder Verkehrsteilnehmer hat sich so zu verhalten, dass kein Anderer geschädigt, gefährdet oder mehr, als nach den Umständen unvermeidbar, behindert oder belästigt wird."

Drücken Sie das mal besser oder treffender aus, ohne die Vollständigkeit der möglichen Situationen zu gefährden. Sie werden es nicht schaffen!
 

Ein anderer logisch absolut unangreifbarer Satz löste, als er ausgesprochen wurde, bei einer bestimmten Gruppe der Bevölkerung große Empörung aus. Dieser Satz war in der Tat dazu gedacht, diese Bevölkerungsgruppe mit Worten zu diffamieren. Er war aber juristisch so wasserdicht formuliert, dass der Urheber dieses Satzes trotz geballten Volkszornes nicht belangt werden konnte:

Kein Geringerer als der damalige CSU-Vorsitzende Franz-Josef Strauß rief nämlich bei einer politischen Veranstaltung im Rahmen der 68-er Protestbewegung den damaligen Anhängern der so genannten Außerparlamentarischen Opposition (APO) folgenden legendären Satz zu:

"Teile der APO benehmen sich wie Tiere,
auf die die Anwendung der für Menschen gemachten Gesetze
nicht möglich ist!!!"

Wieder einmal eine rhetorische Meisterleistung eines – in diesem Falle umstrittenen – Politikers, der auf weiteren Kundgebungen mit lautem Hundegebell, Ziegenmeckern, Pferdewiehern, Schweinegrunzen und allen möglichen anderen Tierlauten von der Menschenmenge empfangen wurde.

Er hatte Recht mit seiner Aussage.

Diskutieren konnte man mit diesen APO-Agitatoren tatsächlich nicht. Es waren meine Altersgenossen, die ich zum Teil schon aus der Schule kannte. Ich konnte die damals auch nicht leiden.

Wie die Geschichte weiter ging, ist bekannt. Aus diesen Gruppen gingen etliche Mitglieder der RAF und anderer krimineller Vereinigungen hervor.

Und die "Harmlosen" unter ihnen gehen gerade alle in Rente.

 

Was hat das alles mit Behördendeutsch zu tun?

Es geht um die Sprache. Es geht um wasserdichte Formulierungen. Es geht um Genauigkeit, Vollständigkeit und Logik. Dies alles sind Eigenschaften, die vom Behördendeutsch erwartet werden.

Aber wir sollten auf Anhieb verständlich reden. Wir müssen nicht sofort alles in einem Satz ausdrücken. Besser formulieren wir in kurzen Sätzen. Mit Pausen dazwischen, in denen wir unsere eigenen Gedanken ordnen und dem Gesprächspartner Gelegenheit zur Bestätigung oder zum Widerspruch geben.
 

Wenn Sie das können, sind Sie in der Lage, verständlich zu schreiben. Dann können wir anfangen, die Rechtschreibung unter die Lupe zu nehmen. Viele korrekte Schreibweisen haben Sie bereits jetzt unmerklich gelernt. Denn erstens lesen Sie ja nebenbei ein Buch (vielleicht schon das zweite?) und zweitens haben Sie jetzt 24 Tage lang diesen Newsletter gelesen, bei dem Sie sich darauf verlassen können, dass er keine Fehler enthält. Weder in der Rechtschreibung noch in der Grammatik. Und wenn Sie einen unvollständigen Satz finden wie gerade eben den vorherigen, dann ist der ganz bewusst unvollständig geblieben – aus stilistischen Gründen.
 

Geben Sie es zu: Sie haben keine Mühe, diese Newsletter zu lesen, denn alle Tipps, die ich Ihnen empfehle, sind selbstverständlich auch in meinem eigenen Text berücksichtigt. Dieser SKN ist nicht von einem Lektor überprüft worden. Damit will ich Ihnen und vor allem mir selbst beweisen, dass ich auf eine solche Dienstleistung nicht angewiesen bin.

Lediglich der Inhalt hat die eine oder andere Korrektur durch die beiden Lehrerinnen in meiner Familie erfahren.

Herzlichst
Ihr Hans-Werner Leopold

 

 Aufgaben

1. Regelmäßig gesehene Fernsehsendung ab sofort nicht mehr ansehen und stattdessen ein Buch lesen.  
2. Gespräch(e) führen.  
3. Kurze und vor allem vollständige Sätze sprechen.
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Tag 25: Rechtschreibung

Wir werden uns jetzt drei Tage lang mit der Rechtschreibung auseinandersetzen. Der heutige Newsletter heißt zwar "Rechtschreibung", befasst sich aber noch nicht mit derselben. Zunächst nehmen wir das Wort selbst unter die Lupe. 


"Rechtschreibung" endet mit ung. Weil das so ist, muss ich schon hier eine Besonderheit der deutschen Sprache genauer betrachten.


Unsere deutsche Sprache bietet die Möglichkeit der Substantivierung. Substantive sind Hauptwörter. Tätigkeitswörter, die mit en aufhören, werden zu Hauptwörtern durch Ersetzen von en durch ung.

In unserer Sprache wimmelt es geradezu von Wörtern, die mit ung enden. Sie alle sind erstarrte Tätigkeitswörter. Normalerweise drückt ein Tätigkeitswort etwas anderes aus als das aus ihm hervorgegangene Hauptwort mit ung. In den Fällen ist der Gebrauch des substantivierten (erstarrten) Tätigkeitswortes gerechtfertigt.


Beispiele:

rechnen – Rechnung

kleiden – Kleidung

senden – Sendung

Aber in allen Fällen, in denen mit dem ung-Wort dasselbe gemeint ist wie mit dem ursprünglichen Tätigkeitswort, nämlich die Tätigkeit selbst, sollten Sie das Tätigkeitswort verwenden, sonst erstarrt Ihre Sprache und wirkt furchtbar aufgedunsen.


Beispiele:

bezahlen – Bezahlung

vermeiden – Vermeidung

übersenden – Übersendung


Wie stellen Sie aber fest, ob ein ung-Wort angebracht ist oder nicht?

Wenn das ung-Wort einen Gegenstand oder einen Sachverhalt beschreibt, ist es angebracht.

Wenn dieses Wort allerdings nur die Tätigkeit beschreibt, aus der es hervor gegangen ist, sollte es vermieden werden.


Für eine stilistische ung-Entgleisung gibt es ein Beispiel, das mir tatsächlich so begegnet ist:

"Wir bitten um Übersendung der Sicherungsbestätigung,
damit wir die Bezahlung der Rechnung vornehmen können."

(Textbaustein im Schriftverkehr einer Leasing-Gesellschaft).

Ich habe dem Kollegen, der diesen Satz verbrochen hat, damals empfohlen, diesen Textbaustein umzuformulieren in:

"Bitte schicken Sie uns die Sicherungsbestätigung,
damit wir die Rechnung bezahlen können."

Dieser Satz enthält zwar immer noch drei ung, aber mit diesen betroffenen Wörtern werden Gegenstände beschrieben. Außerdem ist dieser Satz kürzer.

 

Was wir eben betrachtet haben, war eine Kombination aus Rechtschreibung, Grammatik und Stil. Wir sind noch immer nicht beim Thema angekommen, wenn das Thema "Rechtschreibung" heißt. Dafür sind wir allerdings mitten drin im Thema "Sprachkompetenz".

Und dieses Newsletter-Seminar heißt nicht RSN (RechtSchreibung-Newsletter) sondern SKN (SprachKompetenz-Newsletter). Das ist wesentlich mehr als das schlichte Befolgen elementarer Rechtschreibregeln.
 

So wird es nun auch weitergehen. Rechtschreibregeln behandeln wir in diesem Newsletter-Seminar nicht an einer kompakten Stelle, sondern verteilt über alle Newsletter dieses Seminars.

Damit bleiben die behandelten Themen abwechslungsreich, und Ihr Lernerfolg wird deutlich größer.

Herzlichst
Ihr Hans-Werner Leopold

 

 Aufgaben

1. Regelmäßig gesehene Fernsehsendung ab sofort nicht mehr ansehen und stattdessen ein Buch lesen.  
2. Gespräch(e) führen.  
3. Kurze und vor allem vollständige Sätze sprechen.
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SKN 25


 

Tag 26: Groß oder klein? - Teil 1

Heute werden wir einen sanften Übergang zu Rechtschreibregeln vollziehen. Das gesamte Newsletter-Seminar ist geschrieben wie ein Brief. Ich bin der Verfasser und Sie sind der Adressat. Ich teile Ihnen etwas mit und bin damit in der Situation, Sie persönlich anreden zu müssen.


Die Regeln hierfür sind denkbar einfach – nach der Reform genauso wie vor der Reform:

Wir sprechen mit einem Mitmenschen in zwei verschiedenen Varianten: Als Fremder reden wir ihn mit "Sie" an, als Nahestehender mit "Du". Die förmliche Anrede "Sie" ("Ihnen", "Ihre") wird immer mit großem Anfangsbuchstaben geschrieben – ohne jede Ausnahme!

Grammatisch: Dritte Person Plural (Mehrzahl).

Früher – z.B. zu Goethes Zeiten – wurden Fremde ebenfalls ehrerbietig in der Mehrzahl angesprochen, auch wenn es sich um eine einzelne Person handelte. Grammatisch war das die zweite Person Plural.

"Habt Ihr eine Bleibe für mich?" war der Satz,
der heute lautet: "Haben Sie noch ein Zimmer frei?"


Im schnellen E-Mail-Verkehr, aber auch bei normalen auf Papier verfassten Geschäftsbriefen wird diese Regel oft verletzt. Dem Empfänger fällt das sofort auf, insbesondere, wenn dadurch in einem Satz ein falscher Bezug entsteht, weil der Leser sich nicht angesprochen fühlt – oder weil er angesprochen wird, ohne tatsächlich gemeint zu sein. Hierfür ein Beispiel aus einer E-Mail (halten Sie sich fest!):

"Wir haben noch etliche Luftballons (...), die wir gerne an die Kinder (...) verteilen würden (...). Falls sich für uns die Möglichkeit ergibt, würden wir Sie gerne mit Gas befüllen. Gäbe es diesbezüglich irgendwelche Sicherheitsbedenken?"


Und nun beruhigen Sie sich bitte wieder. Alle, die das lasen, haben – wie Sie – herzhaft gelacht!


Hier bietet sich für Sie eine großartige Gelegenheit, allen Schriftstücken, die Sie verfassen, mit einer dritten Maßnahme ein professionelles Aussehen zu verleihen – Sie erinnern sich?


Die das/dass-Regel sowie die ß/ss-Regel aus der Testphase waren die ersten beiden Maßnahmen, mit denen Sie Ihren Text erheblich aufwerten können.

Auch wenn Ihr Adressat es möglicherweise nicht eingesteht, auch nicht sich selbst, fühlt er sich immer ein bisschen beleidigt, wenn er mit "sie" statt mit "Sie" angeredet wird. Das sollten Sie stets berücksichtigen. Und Sie vermeiden Missverständnisse - siehe oben!

 

Die Rechtschreibreform hatte im ersten Anlauf die vertrauliche Anrede "Du" in "du" umgewandelt, sozusagen im Gegensatz zur förmlichen Anrede. Doch dadurch sahen sich viele Menschen in der Situation, ihre vertrauten Mitmenschen nicht mit dem nötigen Respekt anschreiben zu können. Deshalb wurde wenig später diese Regel aufgelockert, so dass es heute jedem Schreiber freigestellt ist, die persönliche Anrede mit kleinem oder großem Buchstaben zu beginnen.


Diese besondere Regel ist noch nicht in allen Nachschlagewerken zur Rechtschreibung berücksichtigt. Aber sie gilt dennoch.

 

Abschließend gebe ich Ihnen noch eine Faustregel mit auf den Weg, mit der Sie beim Schreiben blitzschnell entscheiden können, ob bei dem Wort "sie" eine Anrede vorliegt oder nur ein Personalpronomen (persönliches Fürwort):

Wenn das Wort "sie" nicht ersetzt werden kann durch "diese",
ist es eine Anrede und wird groß geschrieben.

In deklinierter Form (2. und 3. Fall – Genitiv, Dativ) ist das ersetzende Wort "deren" für "ihres" bzw. "ihrem". Diese Wörter stellen immer einen Bezug zu einem vorhergehenden Begriff her.

 

Heute stelle ich Ihnen eine weitere Aufgabe, mit deren Lösung Sie sich gern etwas Zeit lassen dürfen. Diese Aufgabe bearbeiten Sie bitte ab sofort bis zum Ende dieses Newsletter-Seminars:

Durchsuchen Sie Ihren Schriftverkehr (amtliche Schreiben, persönliche Briefe usw.), nehmen Sie sich die Briefe vor und korrigieren Sie die Fehler (mit Bleistift). Schreiben Sie sich die falsche und die richtige Version auf, um später nachschlagen zu können. Wenn Sie das mit Ihrem Computer machen, achten Sie bitte darauf, dass Ihnen die automatische Rechtschreibkorrektur die falschen Versionen nicht versehentlich korrigiert.

Legen Sie sich auf diese Weise also ein Dokument an, in welchem Sie – nicht nur für die Rechtschreibung, sondern auch für alles andere, das noch kommt – jeweils eine Spalte für falsch und richtig einrichten und dort die entsprechenden Versionen eintragen.

Korrigieren Sie zunächst nur Texte von Anderen, nicht Ihre eigenen. Der Grund: Andere zu verbessern ist immer leichter als sich selbst. Machen Sie es sich nicht unnötig schwer. Außer Ihnen selbst weiß ja niemand davon. Seien Sie also zu Beginn gern überheblich und egoistisch.

Genießen Sie die Lust der Besserwisserei!


Im Ergebnis werden Sie große Sicherheit gewinnen im Beurteilen und in der Korrektur von Texten. Dann können Sie später auch Ihre eigenen Texte selbstkritisch überarbeiten.

Aber beachten Sie bitte dies: Arbeiten Sie sorgfältig. Ziehen Sie in Zweifelsfällen meine Newsletter-Lektionen zu Rate oder schlagen Sie ggf. in einem Wörterbuch nach (Duden/Wahrig).

Und noch etwas: Folgen Sie unbedingt dieser Empfehlung, wirklich "handgreiflich" zu arbeiten – nicht nur in der Theorie. Es ist wichtig, dass Sie auch mit Ihren fünf Sinnen erfassen, was falsch und was richtig ist. Vor einigen Tagen habe ich Ihnen ausführlich erläutert, wie wir lernen.

Wiederholen ist wichtiger als Anstrengen!

Außerdem: Eigenes Tun ist effektiver als Hören oder Lesen.

Ihr Gehirn speichert Sinneseindrücke ab. Und die müssen Sie wirklich erzeugen. Das geht nicht theoretisch, sondern nur praktisch! So programmieren Sie Ihr Unterbewusstsein auf die richtigen Versionen.


Denken Sie immer an das Ziel:

Sie wollen Sprachkompetenz erlangen.

Wofür?

Sie möchten ernst genommen werden. Sie möchten interessant sein für Andere. Sie wollen auf keinen Fall für dumm oder ungebildet gehalten werden. Sie wünschen sich gesellschaftlichen und beruflichen Erfolg!

 

Mit diesem Appell verabschiede ich mich heute von Ihnen.

Herzlichst
Ihr Hans-Werner Leopold

 

 Aufgaben

1. Regelmäßig gesehene Fernsehsendung ab sofort nicht mehr ansehen und stattdessen ein Buch lesen.  
2. Gespräch(e) führen.  
3. Kurze und vor allem vollständige Sätze sprechen.  
4. Texte korrigieren und Fehler und Korrektur dokumentieren.
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SKN 26


Tag 27: Groß oder klein? - Teil 2

Ist doch eigentlich ganz einfach: Jeder Satz beginnt mit einem großen Buchstaben. Und innerhalb eines Satzes beginnt jedes Hauptwort (Substantiv) mit einem großen Buchstaben, außerdem auch jeder Eigenname.

Wo steckt denn da nun die Schwierigkeit?


Hierzu ein volkstümliches Gebet:

"Herr – gib mir die Kraft, Dinge zu ändern, die ich ändern kann, die Geduld, Tatsachen zu akzeptieren, die ich nicht ändern kann, und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden."

Kennen Sie doch – oder?

Nun: Was ist Hauptwort und was nicht? Wenn wir das richtig beantworten, ist das Problem der Groß- und Kleinschreibung sofort gelöst.


Alle Gegenstände, alle Lebewesen (Tiere sowie Menschen), alle Namen von Orten, Ländern, Schiffen, Menschen, Tieren usw. beginnen mit einem großen Buchstaben. Soweit dürften wir uns einig sein, dass man das schnell entscheiden kann.


Die ersten Zweifel kommen, wenn Sie den Satz schreiben sollen:

"Wesentlicher Teil der menschlichen Bildung ist lebenslanges Lernen."

Oder ". . . Lebenslanges Lernen"?

Oder ". . . lebenslanges lernen"?

"Leben" ist doch ein Hauptwort, und "lernen" ist doch ein Tätigkeitswort – was ist nun richtig?

Und wäre "wir lernen ein Leben lang" die richtige Schreibweise?


Es gibt klare Regeln. Diese sind in den einschlägigen Werken (z.B. Duden und Wahrig) klar und übersichtlich beschrieben. Es sind allerdings nicht gerade wenige Regeln. Sie haben jetzt mehrere Möglichkeiten:

  1. 1.
    Kaufen Sie sich eines dieser Werke und lernen Sie die Regeln auswendig. Das dauert naturgemäß eine längere Zeit, und Sie lernen dabei auch etliche Regeln, die Sie nur sehr selten brauchen.
     
  2. 2.
    Lesen Sie viele Bücher. Wenn Sie Glück haben, werden die Regeln dort weitestgehend befolgt, und Sie haben durch wiederholtes Lesen richtiger Schreibweisen in den unterschiedlichen Situationen den entsprechenden Lerneffekt. Auch das ist ein langwieriger Prozess.
     
  3. 3.
    Eine effiziente Möglichkeit, zu brauchbaren Ergebnissen zu kommen, ist die Teilnahme an diesem Newsletter-Seminar SKN. Dies geschieht gerade, ist zwar mit 47 Euro (Normalpreis) etwas teurer als ein Duden, spart aber sehr viel Zeit. Zeit ist Geld, wie Sie wissen. Auch hier.


Damit Sie nun nicht anfangen, an Ihrer Investition in diesen Newsletter zu zweifeln, erinnere ich Sie daran, dass Sie in diesem SKN viele Dinge lernen, die Sie in keinem allgemein erhältlichen Lehrbuch finden, falls Sie sich überhaupt die Mühe machen sollten, ein solches zu suchen.

Dafür ist es jetzt wirklich zu spät. In der Schule hätten Sie Gelegenheit gehabt, Ihre Sprachkompetenz auszubilden. Aber viele von Ihnen mochten vielleicht den Deutschlehrer nicht leiden (ich meinen übrigens auch nicht – aber das ist eine andere Geschichte! Heute bin ich mit einer Deutschlehrerin verheiratet – wie das Leben so spielt), und etliche Menschen haben als Schüler vielleicht viel mehr getan für die attraktive Lehrkraft z.B. im Fach Mathematik.

 

Ich habe meine Sprachkompetenz erst sehr viel später erworben – und Sie können und werden dies ebenfalls tun.

Zu dieser Sprachkompetenz gehört sehr viel mehr als Kenntnisse zu erwerben über Rechtschreibregeln, Zeichensetzung, Grammatik usw.

Sprachlich einwandfreie Logik, richtige Wortwahl, Stil, Satzbau – all das lernen wir zwar in der Schule, aber möglicherweise nur in weiter führenden Schulen und dort auch nicht immer bei den besten Lehrern. Seit meiner eigenen Schulzeit hat sich vieles verändert – zum Besseren, wie ich weiß. Aber noch heute führen viele Schüler (und Lehrer – bei den Korrekturen und Beurteilungen) einen verzweifelten Kampf gegen die Versäumnisse in der frühen Kindheit und gegen etliche negative Einflüsse der heutigen Medien- und Kommunikationskultur.

 

Bei der Analyse Ihres Bildungshintergrunds zu Beginn dieses Newsletter-Seminars hatte ich bereits darauf hingewiesen, wie außerordentlich wichtig die Vorbilder für kleine Kinder sind, die gerade sprechen lernen.

Mit diesem SKN halten Sie das Instrument in den Händen, mit dem Sie wenigstens einen Teil der ggf. vorhandenen Defizite in Ihrer Sprachkompetenz ausgleichen können. Und genau dafür haben Sie mit 47 Euro (Normalpreis) sicherlich nicht zu viel bezahlt – gemessen daran, welchen Erfolg Sie mit den hier erworbenen Kenntnissen in Ihrem zukünftigen Leben in Beruf und Gesellschaft zu erzielen imstande sind.

 

Kehren wir nun zurück zu unserer Groß- und Kleinschreibung:

Die Kunst, ein Ziel zu erreichen, besteht darin, sorgfältig auf Effektivität und Effizienz zu achten. Worin besteht der Unterschied zwischen diesen beiden Begriffen?

Die beste (weil kürzeste) Erklärung ist folgende:

Effektivität: Die richtigen Dinge tun (Wirksamkeit).

Effizienz: Die Dinge richtig tun (Leistungsfähigkeit).

Auf unsere Rechtschreibregeln angewendet heißt das, dass das Lernen von Regeln sicherlich effektiv ist (wirksam), effizient wird es allerdings erst dadurch, dass man zunächst nur die wichtigsten Regeln lernt, also jene, die in den häufigsten Fällen Auskunft geben. Die weniger häufig anzuwendenden Regeln können dann gern mit etwas mehr Zeitaufwand nachgeschlagen werden, ohne die Effizienz (Leistungsfähigkeit) der Textproduktion zu gefährden.

Bei der Groß- und Kleinschreibung ist es im Sinne der Effizienz also zunächst ausreichend, dass Sie sich folgende Regeln merken, die fast als "Faustregel" bezeichnet werden können:

Ein Wort wird mit großem Anfangsbuchstaben geschrieben, wenn es durch einen bestimmten oder unbestimmten Artikel (der, die, das, ein, eine) näher bezeichnet werden könnte. Auch ein vorangestelltes persönliches Fürwort (Personalpronomen) - wie mein, dein, sein - kann als Test hierfür dienen.

Mit dieser einen wichtigen Regel können Sie schon sehr weit kommen. Merken Sie sich nur noch als Ausnahme die Formulierungen "ein bisschen" und "ein paar" (für einige), dann sind alle anderen Zweifelsfälle so selten, dass Sie diese dann getrost nachschlagen (oder im Internet nachfragen) können, ohne Zeit zu verlieren.

Herzlichst
Ihr Hans-Werner Leopold

 

 Aufgaben

1. Regelmäßig gesehene Fernsehsendung ab sofort nicht mehr ansehen und stattdessen ein Buch lesen.  
2. Gespräch(e) führen.  
3. Kurze und vor allem vollständige Sätze sprechen.  
4. Texte korrigieren und Fehler und Korrektur dokumentieren.
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Tag 28: Im Falle eines Falles

Die Fälle in der deutschen Sprache bringen viele Menschen zu Fall.


Erinnern Sie sich noch daran, was Sie in der Schule hierzu gelernt haben?

Sie können es sicher noch heute:

1. Fall (Nominativ)

2. Fall (Genitiv)

3. Fall (Dativ)

4. Fall (Akkusativ)


Die eingeklammerten Bezeichnungen haben Sie wahrscheinlich ebenfalls gelernt, auch wenn es Ihnen ggf. nicht vergönnt war, ein Gymnasium zu besuchen. Diese Bezeichnungen sind Bestandteil zumindest des passiven Wortschatzes der meisten deutschsprachigen Zeitgenossen.

Und so haben viele von Ihnen schon von dem Buch gehört:
"Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod".

Es ist eines von vielen Büchern, in denen sich der jeweilige Autor über die Leute lustig macht, die es in vielen Fällen nicht schaffen, die richtige Fallentscheidung zu treffen.

Witzig sind diese Bücher allerdings nur für diejenigen Leute, die mit der Grammatik keine Schwierigkeiten haben. Die anderen sprechen wahrscheinlich "Kanakisch", also jene Sprache, in der es nur einen Fall gibt – den Dativ. Und denen ist es dann egal, ob es diese Bücher gibt oder nicht. Sie nehmen das gar nicht wahr, weil sie sich normalerweise nicht in einen Buchladen oder die Buchabteilung eines Kaufhauses verirren.

"Dem Auto schon bezahlt - ey?" In entsprechendem Tonfall angebrüllt fühlt man sich schnell nach Hamburg-Wilhelmsburg oder Berlin-Kreuzberg versetzt.

 

Nicht nur in den satirischen Büchern wird über das allmähliche Aussterben des Genitivs lamentiert, sondern ganz allgemein ist zu beobachten, dass das Auto von dem Handwerker sehr viel häufiger erwähnt wird als das Auto des Handwerkers. Und wegen dem Verfall der Sprache macht sich kaum noch jemand Gedanken.

?!?

Nicht, dass Sie jetzt denken, ich hätte meinen Sprachverstand verloren …

Natürlich weiß ich, dass es heißen muss: "Wegen des Verfalls …".

Klar. Aber haben Sie das sofort bemerkt?

Seien Sie ehrlich! Tatsache ist, dass diese Fehler nicht auf die so genannten bildungsfernen Gesellschaftsgruppen beschränkt sind. Dieser inflationäre Gebrauch des Dativs an Stellen, die dem Genitiv gehören, ist bis in höchste akademische Kreise zu beobachten – ebenso wie das Problem mit das/dass.


Wie vermeiden Sie nun diesen Fehler?

Ich erzähle Ihnen nichts Neues, wenn ich Ihnen den richtigen Tipp gebe, aber dennoch kann es hilfreich sein, dass ich Sie daran erinnere:

Stelle Sie die Nachfrage: "Wegen dem Verfall …" – wie fragen Sie? Weswegen?

Das Auto von dem Handwerker – wessen Auto?

(Kommen Sie mir jetzt bitte nicht mit "Wem sein Auto?"!!!)

 

Ich bin zum Glück nicht in der Situation Ihres Deutschlehrers, der Ihnen das alles jetzt verständlich erklären muss. Sie wissen es nämlich selbst noch sehr gut. Sie haben es nur vergessen oder verdrängt oder vernachlässigt – suchen Sie sich etwas aus.

Was ich tun kann, ist, Ihnen geeignete Tipps und Beispiele zu geben, um Sie wieder auf die richtige Fährte zu setzen.

Also: Stellen Sie die richtige Frage – und schon erkennen Sie, mit welchem Fall Sie es hier zu tun haben. Bald werden Sie auch in der Lage sein, nicht nur beim Schreiben, sondern auch beim Reden auf Anhieb die richtige Formulierung zu finden.

 

Morgen beschäftigen wir uns mit dem Genitiv. Er wird zwar oft vernachlässigt, wuchert dafür aber an anderen Stellen unmerklich und ist dort – wie Unkraut – nur schwer zu bekämpfen.

Herzlichst
Ihr Hans-Werner Leopold

 

 Aufgaben

1. Regelmäßig gesehene Fernsehsendung ab sofort nicht mehr ansehen und stattdessen ein Buch lesen.  
2. Gespräch(e) führen.  
3. Kurze und vor allem vollständige Sätze sprechen.  
4. Texte korrigieren und Fehler und Korrektur dokumentieren.
SKN28
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SKN 28


 

Tag 29: Der Genitiv-Fetischismus

Gestern haben wir uns ausführlich mit dem Dativ als "dem Genitiv sein Tod" beschäftigt. Bei all dem Gejammer über den angeblich aussterbenden Genitiv wird übersehen, wie dieser 2. Fall unterirdisch wuchert und an vielen Stellen durch die sprachlichen Ritzen wieder hervortritt – zunächst unbemerkt, bald aber gefördert und gedüngt von ahnungslosen – meistens jedoch besonders bildungsbeflissenen – Zeitgenossen.


Wieder einmal sind es diejenigen Menschen, die man einer überdurchschnittlich gebildeten Gruppe zurechnen darf – Journalisten, Politiker, Akademiker aller Fachrichtungen. Von vielen dieser Menschen, allerdings auch von solchen Menschen, die besonders gebildet erscheinen möchten, hört oder liest man dann Formulierungen wie:

"Entgegen des allgemeinen Trends zum Vorruhestand …" oder

"Entsprechend des großen Verlangens nach finanzieller Sicherheit …" oder - noch weniger auffällig im Plural:

"Entsprechend der großen Herausforderungen unserer Zeit …"

oder, wie ein besonders beflissener Verkäufer zu mir sagte:

"Ich hatte den Artikel für Sie zurück gelegt, aber mein Kollege hat ihn ohne meines Wissens an einen anderen Kunden verkauft."


Obwohl dieser Vorfall schon über zehn Jahre zurück liegt, weiß ich heute noch sehr genau, dass ich mich über diese affig halbgebildete Formulierung mehr aufgeregt habe als über die Tatsache, dass ich den begehrten Gegenstand nun nicht erwerben konnte!

 

Bevor ich Ihnen nun ein paar Erläuterungen gebe, ergreife ich die Gelegenheit, Sie auf eine weitere sehr interessante Tatsache hinzuweisen. Während ich nämlich diesen Text schreibe, bewahrheitet sich die von mir zu Beginn dieses Newsletter-Seminars erstellte Behauptung, dass auf die automatische Korrektur von Microsoft Word (hier: Office 2007) kein Verlass ist. Alle vier Beispielsätze sind nämlich falsch, aber nur der vierte wird vom Programm als falsch erkannt.

 

Nehmen wir gleich einmal den ersten Satz unter die Lupe:

"Entgegen des allgemeinen Trends zum Vorruhestand …"

Stellen Sie sich die Situation vor, dass zwei Männer aufeinander zu gehen.

Der eine kommt also _____ (des oder dem) anderen entgegen?

Na also. Geht doch. Warum also nicht gleich:

"Entgegen dem allgemeinen Trend zum Vorruhestand …"?

Wie gesagt: MS Word hat das nicht gemerkt.


Der nächste Satz ist schon etwas schwieriger:

"Entsprechend des großen Verlangens nach finanzieller Sicherheit …"

In einem weiteren Satz wird sofort deutlich, was nicht stimmt:

"Das Xenon-Licht am Auto entspricht des Tageslichts …" - ?!?

Da merkt wirklich jeder, dass das nicht stimmen kann. Auch hier wuchert der Genitiv an einer Stelle, wo er nicht hingehört.


Im letzten Beispiel hat der Genitiv allerdings nicht den Dativ verdrängt, sondern den Akkusativ:

"Ich hatte den Artikel für Sie zurück gelegt, aber mein Kollege hat ihn ohne meines Wissens an einen anderen Kunden verkauft."

Ohne wessen oder ohne wen bzw. was? Wieder hilft hier eine entsprechende Nachfrage.

"Die Kneipe gegenüber des Bahnhofs dient vielen Fahrgästen als Wartehalle." – Das hat MS Word wiederum erkannt.


Man sieht: Auch MS Word wurde von Menschen programmiert bzw. übersetzt. Und diese Menschen kennen den SKN noch nicht.

 

Zum Schluss unseres heutigen Kapitels zitiere ich eine Moderatorin des Fernsehmagazins "Report" aus München. Dass sich dieser Vorgang in Bayern abspielte, ist Zufall. So etwas kommt auch vielfach in den anderen Bundesländern vor.


Das Zitat lautete:

"… und so haben die Verantwortlichen wider besseren Wissens dafür gesorgt, dass …".

Hier wurde der Begriff "besseres Wissen" zwar vollkommen korrekt dekliniert, aber "wider" erfordert nun einmal den Akkusativ.

Falsch gebrüllt – (bayerischer) Löwe!


Tipp: Ersetzen Sie "wider" durch "gegen", ein anderes Wort für dieselbe Aussage. Dann sehen bzw. hören Sie den Fehler sofort:

"… und so haben die Verantwortlichen gegen besseren Wissens dafür gesorgt, dass …". (Genitiv)

Richtig heißt es:

"… und so haben die Verantwortlichen gegen besseres Wissen dafür gesorgt, dass ". (Akkusativ)

oder - mit Dativ:

"… und so haben die Verantwortlichen entgegen besserem Wissen dafür gesorgt, dass ".

Herzlichst
Ihr Hans-Werner Leopold

 

 Aufgaben

1. Regelmäßig gesehene Fernsehsendung ab sofort nicht mehr ansehen und stattdessen ein Buch lesen.  
2. Gespräch(e) führen.  
3. Kurze und vor allem vollständige Sätze sprechen.  
4. Texte korrigieren und Fehler und Korrektur dokumentieren.
SKN29
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SKN 29


Tag 30: TROTZdem oder trotzDEM?

Die Großbuchstaben sollen hier die betonte Silbe anzeigen.

Wird das Wort richtig, also komplett klein (außer am Satzanfang) geschrieben, weiß der Leser zunächst nicht, wie das Wort zu betonen ist.

"Nein – sagen Sie jetzt nichts!" (Loriot)

Lassen Sie mich erst weitermachen.


Also: "Trotzdem" wird manchmal auf der ersten Silbe und manchmal auf der zweiten Silbe betont. Im täglichen Umgang miteinander hören wir immer wieder, wie ein Mensch einem anderen Menschen erzählt, dass er im Süden Urlaub macht, trotzdem es dort sehr heiß sein soll. Der Andere bedauert ihn dann möglicherweise. Aber er wünscht ihm trotzdem gute Erholung.


Wenn Sie diese Sätze so lesen, hören Sie instinktiv die unterschiedlichen Betonungen des Wortes "trotzdem" in den beiden Sätzen, in denen es verwendet wird. Woher kommt das?


Die gefühlt richtige Betonung auf der ersten oder auf der zweiten Silbe hat einen grammatischen Ursprung:

Wenn das Wort "trotzdem" in einem Hauptsatz steht, betont der Sprecher es auf der ersten Silbe. Wird das Wort zum Einleiten eines Nebensatzes verwendet, sitzt die Betonung auf der zweiten Silbe.


Wollten Sie jetzt etwas sagen?

Ja? – Tatsächlich?

Fangen Sie gerade an, meine Sprachkompetenz in Frage zu stellen anlässlich dessen, was ich in diesem Kapitel bisher geschrieben habe?


Sehr gut! – Dann gehören Sie zu den wenigen Menschen, die erkennen, dass meine bisherigen Erklärungen zur Verwendung und Betonung des Wortes "trotzdem" zwar logisch und einleuchtend sind und außerdem die sprachliche Realität beschreiben, aber trotzdem vollkommener Blödsinn sind - und auch "offiziell" falsch!


Dann können Sie den Rest dieses Kapitels getrost überschlagen oder dessen Inhalt einfach vollständig ignorieren. Dann wissen Sie nämlich, dass wir es hier mit einem waschechten Wortschatzproblem zu tun haben, das bei Ihnen offensichtlich nicht existiert.

Glückwunsch! Also dann bis morgen …

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

???

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Sind Sie noch da?

Dann hatten Sie offenbar nicht das Bedürfnis, gleich nach den ersten Sätzen in diesem Kapitel heftig zu widersprechen.


Zunächst eine für Sie tröstliche Bemerkung: Sie befinden sich in allerbester Gesellschaft! Es gibt reichlich Schriftsteller, die mit "trotzdem" Nebensätze einleiten. Oft wird das damit begründet, dass in den jeweiligen Texten eine mundartliche Besonderheit zum Ausdruck kommen soll.

Akzeptieren lässt sich das jedoch nur, wenn mit einer solchen Wortwahl der eingeschränkte Wortschatz des Protagonisten deutlich werden soll. Mit Mundart hat das nämlich nichts zu tun.

Aber lassen wir mal die Literaturkritik beiseite. Das können Andere besser.


Wir reden hier über den Wortschatz. Viele Menschen, so haben wir festgestellt, leiten mit "trotzdem" einen Nebensatz ein, obwohl es nicht korrekt ist. Das liegt daran, dass das Wort "obwohl" zwar in ihrem Wortschatz enthalten ist, aber offenbar noch nicht aktiviert wurde.

Trotzdem ist es in diesem Fall ganz einfach, zu entscheiden, wo das Wort "trotzdem" nicht hingehört, sogar ohne grammatische Überlegung! Das geht auch beim Sprechen.

Regel:

Immer dann, wenn Sie versucht sind,
das Wort "trotzdem" zu verwenden,
indem Sie es auf der zweiten Silbe betonen wollen,
ersetzen Sie es bitte blitzschnell durch das Wort "obwohl".

Das stimmt immer. Ohne Ausnahme!


So – das haben wir nun geklärt.


Jetzt machen Sie sich bitte auf einige spitzfindige Überlegungen gefasst. Für schriftliche Texte ist das Problem "trotzdem/obwohl" hinreichend behandelt. Aber Sprachkompetenz soll auch in freier Rede deutlich werden.

Es gibt etliche Leute, die das Wort "trotzdem" scheinbar korrekt verwenden, es aber dennoch auf der zweiten Silbe betonen.


Beispiel:

"Er wusste, dass es keinen Zweck hatte, seinen Vater um Hilfe zu bitten. TrotzDEM gab er die Hoffnung nicht auf, dass dieser ihn unterstützen würde."

Zugegebenermaßen ein etwas "hergeholter" Text, aber gut geeignet für folgende Überlegung:

Mit der Betonung auf der zweiten Silbe von "trotzdem", das hier keinen Nebensatz einleitet, kann beim Sprechen dieses Satzes die Aussage des vorangehenden Satzes durch diese Betonung noch einmal zusätzlich bekräftigt werden. Das klingt auch zunächst nicht falsch.


Um dies genauer zu untersuchen, müssen wir zunächst herausfinden, woher eigentlich das Wort "trotzdem" kommt:

"trotzdem" – so als ein Wort – ist die Abkürzung für "dem (Umstand) zum Trotz". Dabei soll Wert gelegt werden auf die Aussage, die mit "trotzdem" bekräftigt wird.

Soll dagegen die vorangestellte Aussage besonders hervorgehoben werden, so muss dies auch in der Formulierung zum Ausdruck kommen: "trotz dieses Umstands" oder "trotz dessen" in zwei getrennten Wörtern. Mit "dessen" wird noch einmal ausdrücklich auf die vorangestellte Aussage verwiesen.

Damit haben wir den Sprecher entlarvt, der zur Bekräftigung der vorangestellten Aussage das Wort "trotzdem" auf der zweiten Silbe betont. Er hat eine falsche Fallentscheidung getroffen und hätte stattdessen das Wort "trotz" zusammen mit dem Genitiv verwenden müssen.


Fazit: "trotzdem" wird ausschließlich auf der ersten Silbe betont. Anderenfalls muss es durch die Formulierung "trotz dessen" oder, wenn damit ein Nebensatz eingeleitet wird, durch "obwohl" ersetzt werden.

Ich habe Sie gewarnt. Das ist zwar spitzfindig, aber korrekt.

Herzlichst
Ihr Hans-Werner Leopold

 

 Aufgaben

1. Regelmäßig gesehene Fernsehsendung ab sofort nicht mehr ansehen und stattdessen ein Buch lesen.  
2. Gespräch(e) führen.  
3. Kurze und vor allem vollständige Sätze sprechen.  
4. Texte korrigieren und Fehler und Korrektur dokumentieren.
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